Ein Kommentar der Liste B.I.E.R. zur finanziellen Beteiligung der Studierenden am metropolradruhr-Projekt auf der Basis der uns zugegangenen Nutzungsstatistiken von April 2013 bis Januar 2014

Fahrrad fahren ist gut für die Gesundheit, die Umwelt, aber nicht für den Geldbeutel. Zumindest nicht, wenn der AStA (NaWi, GeWi, IL und Jusos) es schafft genug Leute zu finden, die bei der Urabstimmung dafür sind, massig viel Geld rauszuwerfen, um dafür kaum was zu sparen. Klingt bekloppt? Eindeutig. Aber manche Leute geben ihr Gehirn wohl beim Amtsantritt ab. Dabei ist das Problem völlig offensichtlich. Dazu genügt es einen kurzen Blick auf die Zahlen zu werfen:

Ausleihverhalten der Studierenden, erhoben von der nextbike GmbH, aufbereitet von der Liste B.I.E.R.

AuswertungMRR

Hier ist aufgelistet, wie oft wie lange Fahrräder von Studis ausgeliehen wurden und was das trotz der Ermäßigung (also des RUB-Tarifes) gekostet hat. Zum Vergleich gibt es einmal die hypothetischen Kosten im normalen Tarif und in der letzten Spalte den direkten Vergleich. Da der Vertrag vorsieht, dass der AStA jedes Semester 1,50 Euro pro Studierendem an die Nextbike GmbH zahlt, und die RUB momentan 41.456 eingeschriebene Studis hat, ergeben sich daraus pro Jahr Kosten in Höhe von 124.368 Euro – wenn man das von der Ersparnis abzieht, bleibt also ein jährlicher Verlust von mehr als 90.000 Euro. In den letzten Jahren ist die Zahl der Studierenden immer weiter gewachsen, wovon auch in Zukunft ausgegangen werden kann, also immer höhere Ausgaben für die gleiche Leistung bzw. Anzahl von Fahrrädern. Das ganze obwohl immer mehr Studierenden den Pauschalbetrag zahlen.

Um rhetorischen Tricks vorzubeugen: Dieses Jahr wurde nur für ein Semester bezahlt (ca. 60000 Euro). Beim Zustandekommen des Vertrags würde jedoch jedes Semester eine Zahlung fällig. Und die Bilanz ist schon bei halben Kosten ungefähr 26.000 Euro im roten Bereich. Der Deal zwischen den unpolitischen Listen und den Nachwuchspolitikern einerseits und mit der Nextbike GmbH  andererseits erspart der Studierendenschaft also zukünftig, sich um mehr als 90.000 Euro pro Jahr kümmern zu müssen. Davon könnte man problemlos 300 gute Fahräder kaufen. Vom Verlust! Mit der Gesamtsumme käme man dann auf 400. Nextbike stellt übrigens aktuell 203 Räder auf dem Campus zur Verfügung.Die bisherigen Zahlen berücksichtigen den Zeitraum vom 01.04.2013 bis zum 05.01.2014, beinhalten also  über neun Monate; das komplette Sommersemester und Teile des Wintersemesters. Unterstellen wir mal, dass die Verzweiflung darüber, das ihre Interessen von derart unfähigen Gruppierungen   “vertreten” werden, die Studis dazu bewegt, plötzlich exzessiv Fahräder  auszuleihen, so dass sich die Ersparnis bei Regen und Wind und  vielleicht  sogar noch Schnee in den restlichen drei Monaten verdoppelt: Der Verlust läge immer noch knapp 60.000 Euro. Jedes Jahr. Die Nutzung von den Metrropolradruhr-Fahrrädern müsste fast 4 mal so hoch werden damit dieses Projekt für die Studierendenschaft ein Nullsummenspiel ist. Nun ist es aber so das wir mit der derzeitigen Auslastung der Räder schon am Limit sind.

Sollte die Urabstimmung es nicht verhindern, würde ein Vertrag geschlossen, der für fünf Jahre gilt. Extrapoliert ergäbe sich daraus also ein Verlust von fast 290.000 Euro, mindestens. Fällt der Fahrradendspurt erwartungsgemäß aus, könnten es im Extremfall auch über 450.000 Euro werden. Davon könnte man die studentische Fahrrad-Infrastruktur auf dem Campus so unglaublich luxuriös ausbauen, inklusive vollzeitangestellten Fahrradmechaniker_in und Ersatzteillager, davon können Kunden der Nextbike GmbH nur träumen. Und vielleicht tun die Menschen im AStA das ja auch. Anders ist kaum zu erklären, wie jemand auf die Idee kommen könnten, dass dieser Vertrag eine gute Idee sei.

Anbei: Die Mensaparty die der Juso(SPD)-RCDS(CDU)-LHG(FDP)-AStA 2007 verbockt hat, hat mehr als 200.000 Euro Verlust eingefahren und ist seitdem der zweithöchste Verlust den ein NRW-AStA je in einer Einzelaktion verbockt hat. Dieser Fahrradvertrag hat das Potential auf Platz Eins. Und sieh’ nur, wer gerade den AStA-Vorsitz inne hat und auch den Finanzenreferenten stellt: Es sind die Jusos. Es sollte natürlich nicht ungesagt bleiben, dass der Vertrag noch mit einem  Finanzer von der NaWi ausgehandelt wurde. Aber die NaWi hat sich explizit vorgenommen, unpolitisch zu sein, folglich keine politischen Entscheidungen zu treffen. Daher kann man ihnen nicht vorwerfen, dass sie die ihnen unverhofft zugefallen Funktionen in der politischen Selbstverwaltung der Studierendenschaft nicht kompetent ausfüllen: Das ist ihr Wahlprogramm.

5 Kommentare für “Bezahlbar Fahrradfahren für Anfänger”

  1. veltinspower

    Das ist ein komplexes Infrastrukturprojekt. Das ganze ist über Jahre kalkuliert und die Wohnheime bekommen sogar eigene Verleihstationen.

    Habt ihr denn mal kalkuliert, was euer Brauhaus kostet? Also leht euch zurück und lassen Studis machen, die leckeres Bier trinken und keine Hansa Brause 😉

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    • listebier

      Du hast Recht, das ganze ist über Jahre kalkuliert. Die nextbike GmbH rechnet garantiert damit, über Jahre hinweg von der RUB-Studierendenschaft subventioniert zu werden. Z.B. mind. über 5 Jahre, denn der Vertrag soll gleich für eine so lange Zeit geschlossen werden.

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    • SilverSurver

      Eigentlich ist es ja gerade nicht kalkuliert. Zumindest nicht vom AStA, sonst würden die Leute da sicher auch merken, dass sie das besser ohne diese Firma organisieren könnten. Und ein Fahradverleih ist jetzt nicht sooo komplex. Schon gar nicht im Vergleich zu einer Brauerei, wo man nicht nur die Grundstruktur schaffen und sich dann drum kümmern muß, Verschleißteile zu ersetzen.

      Und ich würde es bevorzugen, wenn “lassen Studis machen” würden die wissen, oder zumindest irgendwann merken, was sie tun, egal welches Bier sie trinken.

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  2. truckbuster

    das ist ein asta und keine fahrradfabrik…mit eigenen rädern haben wir nur ärger und kostet auch alles geld. schraubt mal eure erwartungshaltung runter. wir studieren und können uns nicht auch noch um brauhäuser und geklaute, kaputte etc. räder kümmern…

    so und jetzt werde ich mir ein kaltes krombacher aufmachen. hm, prost!

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  3. Mazel

    Hi,
    Also wer vor hat vernünftig Fahrrad zu fahren der ist mit den Rädern echt angeschmiert. Ja, sie sind Straßenverkehrstauglich, aber die gesamte Ausstattung eines jeden Rades ist fuer den *****. Die
    Bremsen sind ein Witz (meist V-Brakes günstigster Natur oder Rollenbremsen) und naja 1 Handbremse+Rücktritt (reicht fuer die StVO, aber probier mal schnell zu halten wenn dich nen Auto schneidet), die Lichtanlage zum Großteil Halogen (Licht kann man das nicht nennen, obwohl LEDs kaum mehr Kosten), von der Gangzahl garnicht zu sprechen 3Gang Shimano, gute Sache allg. nur in Hustadt ud Wiemelhausen oder Richtung Kemnader See, wirklich net zu gebrauchen)
    Kann mir einer sagen, wieviele Student_innen in Wohnheimen leben und wieviele davon die Räder Nutzen?
    Wir sind nicht ohne Grund eine “Pendleruni” und Respekt dem, der auf dem einem MPR-Rad aus Herne, Wanne, Gelsenkirchen o.Ä. angefahren kommt.
    Die Idee, an sich, find ich gut, aber die Umsetzung ist wirklich zu teuer und unrentabel. Vor allem, wenn man beachtet, dass das Angebot nicht den Bedürfnissen der Studenten angepasst wurde. Sonntags zum Bäcker fahren vll., aber regelmäßige Nutzung, niemals. Daher sehe ich das nicht als
    Angebot zu Bahn oder den Bus an, so dass der Faktor Infrastuktur nur unzureichend Beachtung findet.
    Hier wird das Problem der zu vollen Bahnen nicht gelöst und ebenfalls kein erster Schritt in die richtige Richtung gemacht. Der AStA ist auf nen Trend aufgesprungen und hat, für vermeintlich geringe Kosten, Zugunsten einer verschwindend geringen Zahl der Nutzung, Gelder aller Studierender heruasgeschmissen.
    Ente

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